Fuchs: Wenn man hier das neue Umfeld, die neuen Räume sieht: doppelt so groß wie vorher. Es ist schon rasant, wie schnell der Verlag gewachsen ist. Wie kam es dazu? Waren Sie schon immer Verleger?
Kamphausen: Es hat 1983 angefangen. Eine Freundin fragte mich, ob ich ein Projekt finanzieren möchte. Ich hab sehr viel von ihr gehalten. Ich hatte gerade den notwendigen Betrag übrig. Wir haben dann mit den Karten zur Hand- und Fußreflexzonenmassage angefangen. Ich fand es attraktiv, etwas zusammen zu machen. Dass es sich zudem lukrativ anhörte, war auch nicht schlecht.
Fuchs: Wie ging' s dann weiter?
Kamphausen: Ja, das Projekt hat sich dann ganz anders entwickelt, als wir uns das alle vorgestellt hatten. Es ist noch jemand dazugekommen, der jetzt zum erweiterten Kreis der Mitarbeiter gehört: Harald Gries. Zu dritt haben wir dann dieses Projekt gestartet. Doch relativ schnell haben sich die beiden Partner wieder anderen Aufgaben zugewandt. Und plötzlich saß ich - obwohl eigentlich nur der Geldgeber - alleine mit dem Projekt da. Nach einigen Rückschlägen kam Unterstützung und das Projekt wurde ein Erfolg.
Fuchs: Ist das jetzt ein Stück Geschichte?
Kamphausen: Es ist ein Stück Geschichte und nach wie vor ein Produkt, das sich relativ gut verkauft. Wir haben mit einer Auflage von 50 000 angefangen und diese als Unverlangtsendung an Buchläden geschickt. Die haben uns zunächst die ganzen Karten wieder zurückgeschickt, weil sie das Medium nicht kannten und auch unverlangte Sendungen nicht mögen. Dann haben wir aber doch festgestellt, dass eine Nachfrage dafür da war. Und heute sind diese Karten auf die gesamte Zeit gesehen eines der erfolgreichsten Produkte der gesamten Verlagsgruppe.
Fuchs: Sie sagen, Sie kannten sich nicht aus. Eigentlich etwas Innovatives! Ein Schritt in Neuland!
Kamphausen: Ja, eigentlich hatten wir keine Ahnung davon, wie man einen Verlag leitet, wie man ein Projekt durchführt. Wir hatten nur Lust, etwas ins Leben zu rufen. Auch bei mir war zunächst keine besondere Idee dahinter. Es war nur die Absicht da, etwas miteinander zu machen.
Fuchs: Das war also die erste Phase des Verlages. Wenn man das in Phasen - es gibt ja zum Beispiel die Kleinkindphase, bis drei Jahre - einteilen würde, was war Kamphausen dann als Siebenjähriger?
Kamphausen: Also der Verlag hat sich in den ersten Jahren kontinuierlich aus sich selbst heraus entwickelt. Es hat natürlich auch Impulse von außen gegeben. Aber es war ja erst mal nur ein Nebenerwerbs-Ding. Es ging nur darum, etwas Interessantes zu machen. Und dann weiter zu begleiten.
Fuchs: Gab es einen Entwicklungssprung, wie manchmal bei Kindern?
Kamphausen: Doch, der erste entstand aus der Idee, Bücher zu Nahrungsergänzungen zu produzieren. Nahrungsergänzungen sind in Deutschland eine Produktgruppe, die zwar zum Teil erstaunliche Heilwirkungen haben, jedoch von den herstellenden und vertreibenden Unternehmen nicht so angepriesen werden dürfen.
Als Verlag sind wir allerdings frei, seriöse Quellen zu nutzen und über die Möglichkeiten solcher Mittel zu informieren. Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen ihren Kunden daher gerne unsere Bücher.
Fuchs: Also wieder etwas Innovatives! Wie gings dann weiter?
Kamphausen: Wir drei Gründer des Verlages haben nach einiger Zeit zusammen gesessen und aufgeschrieben, was uns so einfiel, warum wir den Verlag machten. Da sind dann mehr als hundert Begriffe zusammengekommen. Das war zu viel. Wenn einer sagte: "Nein, das ist gar nicht meins!" haben wir es gestrichen. Übrig blieb: "Wir wollen interessante Projekte realisieren."
Fuchs: Klingt gut, aber auch sehr allgemein.
Kamphausen: War auch nur als Richtung gemeint. Trotzdem ist es immer wieder der Ansatz, der mich heute noch motiviert: entdecken und experimentieren. Es hatte aber auch die Folge, dass der Begriff "Wirtschaftlichkeit" nie in der Liste der wesentlichen Aspekte meiner Arbeit im Verlag aufgetaucht ist, dass wir das auch nie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gemacht haben. Das hat Vor- und Nachteile.
Fuchs: Es gibt ja Kamphausen Verlag, Aurum-Verlag und …
Kamphausen: … LebensBaum Verlag und in 2009 sind noch die Verlage Theseus und Lüchow dazu gekommen.
Fuchs: Wie hängen die zusammen?
Kamphausen: Der Lebensbaum-Verlag hat sich aus dieser Idee, Bücher zu Themen rund um die „Sanfte Medizin“ zu machen, entwickelt. Der Aurum-Verlag ist 2001 dazugekauft worden, mit der Absicht, Synergien zu schaffen.
Theseus und Lüchow haben wir von Herder gekauft. Dort passten sie programmatisch nicht gut, zu uns aber sehr wohl.
Fuchs: Wenn ich das so höre, scheinen ja die wesentlichen Aspekte: verbindende Elemente, die Verbindung mit
den Menschen und Innovationen zu sein?
Kamphausen: Ja, ganz sicher.
Fuchs: Gab es in der Geschichte des Verlags Entscheidungen, von denen Sie sagen würden: Das waren Trifurkationspunkte?
Kamphausen: Es gab eine rechtliche Auseinandersetzung über den Namen: Der Verlag hieß ja zuerst Context-Verlag. Im Ergebnis dieser rechtlichen Auseinandersetzung habe ich mich gezwungen gesehen, den Verlag umzubenennen. Und ich empfand sehr großen Widerstand dagegen, dem Verlag meinen Namen zu geben, weil ich das völlig unangemessen fand.
Und erst das Drängen einer Partnerin des Verlages hat mich da überzeugt. Und dann habe ich das eher mit starken Bedenken gemacht. Aber ich habe schon den Eindruck gehabt oder hab' jetzt nachträglich den Eindruck, dass das so auch ein Zu-dem-was-ich-da-mache-auch-Stehen, auch nach außen stehen, bedeutet hat. Und das hat sicher auch Grenzen gesprengt.
Fuchs: Gibt es noch andere Entscheidungspunkte?
Kamphausen: Also, ich hab mich eigentlich häufig mit dem Verlag rumgequält: Will ich das eigentlich machen oder will ich das nicht machen? Aber in dem Moment, wo er meinen Namen hatte, war auch klar: "Es ist jetzt meins. Ich muss mich darum kümmern."
Ein weiteres wichtiges Ereignis war mein Sabbatjahr, das ich 2007 eingelegt habe. Vorher hatten wir eine 2. Führungsebene eingerichtet. Und die hat ihre Sache ganz hervorragend gemacht.
Das war schon eine eigenartige Erfahrung, so problemlos ersetzbar zu sein…
Besonders bedeutsam war der Einstieg meiner Tochter ins Unternehmen, der ebenfalls 2007 stattgefunden hat. Das hat mich weiteren Wachstumsmöglichkeiten gegenüber geöffnet.
Fuchs: Also war die Umbenennung auch eine innere Weichenstellung, die sich da vollzogen hatte.
Kamphausen: Ja, so sehe ich es heute.
Fuchs: Gab es einen Hintergrund dafür?
Kamphausen: Diese Entscheidung ist in eine Phase gefallen, in der sich bestimmte Angststrukturen aufgelöst haben. Es ging mir plötzlich nicht mehr darum, Dinge unter Kontrolle zu halten. Eigentlich absurd, denn in dem Moment, wo der Verlag meinen Namen hatte, hatte ich kein Bedürfnis mehr, die Sache irgendwie unter Kontrolle zu halten.
Fuchs: War das eine wichtige Zäsur in Ihrer Entwicklung und der des Verlages?
Kamphausen: Ganz sicher! Das hat die Türen geöffnet für andere Mitarbeiter. Und hat sicher den Verlag auch in anderer Weise interessant gemacht. Offensichtlich brauchte es so eine führende Mitte, die ich dann auch besetzen musste, nicht besetzen wollte, aber besetzen musste und besetzt habe. Daraufhin hat sich ein Resonanzfeld entwickelt.
Fuchs: Das weiter wächst?
Kamphausen: Über Krise und Stagnation jammern wir jedenfalls nicht…
Wir haben in diesem Jahr die beiden Verlage Theseus und Lüchow von Herder übernommen, eine erfolgreich gestartete spirituelle Community "mein.weltinnenraum.de“ gegründet und mit Eva-Maria Zurhorst ein sehr inspirierendes Filmprojekt (Was macht Frauen satt & glücklich) realisiert, eine Autorenwerkstatt auf La Palma eröffnet und bereiten gerade die Herausgabe eines Comic zu Neale Donald Walschs Weltbestserseller „Gespräche mit Gott“ vor.
Inzwischen hat es sich auch herumgesprochen, dass wir eine gute Betreuung von Autoren und Titeln praktizieren.
* An einem Teammeeting, das entweder 1 oder 2 Tage dauert nehmen alle Mitarbeiter des Unternehmens teil. Wir lassen uns bei der Bearbeitung eines Themas, dass sich aus dem Alltagsgeschäft heraus als dringend ergeben hat, professionell begleiten. Wir verstehen uns ja als Unternehmen und Entwicklungsgemeinschaft – da braucht die Erfahrung eines Miteinanders Raum.